Google Fiber: Demnächst mit 1 GBit/s surfen?

Google Fiber: Demnächst mit 1 GBit/s surfen?

Kommt der Datenturbo auch nach Deutschland?

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100 Fotos in drei Sekunden runterladen? Acht TV-Serien gleichzeitig online aufzeichnen? Oder die komplette Musiksammlung online hosten? Kein Problem mit Google Fiber, dem derzeit schnellsten, privat-zugänglichen Internetzugang. Der Datenturbo verzückt die USA, trotz hoher Kosten. Wann Google Fiber in Deutschland verfügbar wird, klärt der Artikel.

 

Google Fiber: Das schnellste Internet für Alle

Google Fiber – ein Namenskonstrukt, das viele Internetnutzer freudig lächeln lässt. Der Internetriese ermöglicht es, Daten mit bis zu einem Gigabit pro Sekunde runterzuladen. Selbst die in Deutschland bekannten 100 MBit/s-Angebote sind dagegen nur ein müder Ableger, der nicht einmal ansatzweise an Fibers Datenraten heranreicht. Und dabei ist noch lange nicht Schluss. Google verspricht, mit der nächsten Generation noch einmal um den Faktor 10 schneller zu werden. Eine unglaubliche Geschwindigkeit, die keinen Unterschied zwischen dem Arbeiten auf der eigenen Festplatte und dem Arbeiten im Internet zulässt.

Google_Fiber_Demnaechst_mit_1_GBits_surfen3Mit Google Fiber wird das Internet im kleinen Rahmen revolutioniert. Das superschnelle Internet öffnet völlig neue Anwendungsmöglichkeiten. In Zukunft wird es nicht mehr nötig sein, Software auf dem Computer zu installieren – stattdessen lagern alle Daten in der Cloud und sind von überall zugänglich. Der eigene Rechner muss auch kein Perfomance-Monster sein, um die neuesten Games zu spielen. Das schnelle Internet könnte es ermöglichen, rechenintensive Aufgaben einfach auszulagern. Firmen könnten einen zentralen Rechner nutzen, um mehrere Workstations mit Daten zu versorgen. Und alles nur, weil die Datenrate diese Anwendungsbereiche ermöglicht.

 

Teuer oder günstig? Google Fiber kann beides!

Google_Fiber_Demnaechst_mit_1_GBits_surfen2Google Fiber setzt auf drei Standbeine, die für jeden Kunden das passende Angebot verfügbar machen. Das Grundangebot in den USA umfasst einen Hochgeschwindigkeits-Internetanschluss (1 GBit/s Download / 1 GBit/s Upload), für den monatlich 70 Dollar bezahlt werden müssen. Die zweite Variante erweitert das bestehende Angebot um eine TV-Funktion, die noch einmal 50 Dollar mehr kostet. Wer nicht so viel Geld für Internet ausgeben möchte, findet bei Fiber ebenfalls ein verlockendes Angebot. Für einmalig 300 Dollar erhalten Kunden für sieben Jahre Internet mit 5 MBit/s – komplett ohne zusätzliche oder versteckte Kosten. Zum Vergleich: Ein Internetanschluss für 20 Euro im Monat würde über die komplette Laufzeit 1.680 Euro kosten.

Natürlich stellt sich bei einem dermaßen verlockenden Angebot die Frage, wann Google Fiber auch in Deutschland verfügbar sein wird. Leider gibt es von Google noch keine Meldung zum Start in Deutschland. Es ist allerdings davon auszugehen, dass der Ausbau noch dauern wird. Das hat drei Gründe. Zum einen ist das Angebot selbst in den USA nur sporadisch verfügbar. Entscheidet sich Google, eine Stadt mit Fiber zu versorgen, müssen sich die User vorab verbindlich anmelden. Kommt keine kritische Masse zusammen, senkt Google und den Daumen und sucht sich eine andere Stadt. In den USA sind bisher (Stand: September 2015) nur drei Städte mit Fiber ausgestattet, sechs weitere sollen in Kürze folgen.

 

Kein deutscher Markt für Google Fiber?

Ein weiterer Grund sind die Kosten. In den USA wird Geld für Internet und TV leichter ausgegeben. Ein derart komplexes System aus frei empfangbaren Sendern wie in Deutschland gibt es im Norden Amerikas nicht – stattdessen müssen TV-Pakete teuer gekauft werden. In Deutschland ist schon die Bereitschaft für die Bundesliga oder exklusive Inhalte auf Sky zu zahlen eher gering. Der größte Grund ist jedoch die Infrastruktur.

Google_Fiber_Demnaechst_mit_1_GBits_surfen4Google verlegt in den USA keine neuen unterirdischen Leitungen, um Fiber zu den Verbrauchern zu bringen, sondern setzt auf bestehende Oberleitungssysteme. Diese gibt es in Deutschland jedoch kaum und es ist auch nicht zu erwarten, dass TÜV und andere offizielle Stellen dieser Verlegetechnik zustimmen. Im Umkehrschluss bedeutet dieser Umstand, dass die Preise für Fiber weiter in die Höhe schnellen würden. Bereits heute gibt Google für jeden Fiber-Kunden zwischen 750-1250 Dollar aus; eine Summe, die sich erst über die hohen Monatskosten wieder amortisiert.

Fazit zu Google Fiber: Deutschland wird im internationalen Vergleich noch länger ein Schwellenland beim Breitbandausbau bleiben. Google wird sich lange überlegen, ob eine Investition im deutschen Raum Sinn macht oder ob das Produkt in anderen Regionen besser aufgehoben ist. Solange dies der Fall ist, müssen deutsche Kunden auf Vectoring und andere Standards hoffen. Und weiterhin von Downloadraten von 125 Megabyte/Sekunde träumen.

 

 

Artikelbild: Fotolia / Nmedia

Bilder im Artikel: Google / Alphabet

 

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